3. Mai 2017

Reisen – Entschädigung beim Fliegen

Als letztens ein Passagier in den USA bei einem überbuchten United Airlines-Flug mit rabiater Gewalt aus dem Flugzeug entfernt wurde, sorgte das für Schlagzeilen. Gleichzeitig wurde die Frage gestellt, welche Entschädigung dem Betroffenen zusteht. Tatsächlich kommt es heute sehr häufig im Flugverkehr zu „Schlechtleistungen“. Wir geben Ihnen hier einen Überblick über mögliche Entschädigungsansprüche.

Fluggäste am Flughafen

Im Bereich der EU sind Ansprüche von Passagieren in der sogenannten Fluggastrechte-Verordnung geregelt. Sie gilt für alle Flüge, die innerhalb der EU angetreten werden oder von Airlines mit Sitz in der EU durchgeführt werden. Über entsprechende Abkommen findet die Verordnung analog Anwendung in Island, Norwegen und der Schweiz. Jenseits der EU besteht auf internationaler Ebene das sogenannte Montrealer Abkommen, das Entschädigungsansprüche regelt.

Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung

Die EU-Fluggastrechte-Verordnung betrifft Anbieter von Linienflügen, Charterflügen und Billigflügen gleichermaßen. Sie kennt grundsätzlich drei Fälle, in denen Entschädigungsansprüche gegeben sein können:

  • die Nichtbeförderung (insbesondere wegen erfolgter Überbuchung);
  • die Flug-Annullierung;
  • längere Verspätungen.

Entschädigungsansprüche können dabei immer nur wegen Umständen entstehen, die von der Fluggesellschaft zu vertreten sind. Die Regelungen sind sehr detailliert, so dass hier nur Grundzüge dargestellt werden können. Zeitfenster und Entfernungen bilden dabei einen wichtigen Maßstab für den Umfang der Entschädigung.

Nichtbeförderung und Flug-Annullierung

Bei Nichtbeförderung oder Annullierung des Fluges bestehen Ansprüche auf

  • die Erstattung des Flugtickets;
  • kostenlosen Rückflug zum Ausgangsort;
  • schnellstmögliche Weiterbeförderung zum Zielort (bei Nichtbeförderung auch auf Beförderung zu einem Wunschtermin);
  • kostenlose Versorgung (falls erforderlich inkl. Hotelunterkunft).

Außerdem stehen Ihnen Entschädigungen als Ausgleich für die erfolgte „Schlechtleistung“ zu. Dabei werden pauschale Beträge in Abhängigkeit von der Flugstrecke zugestanden, konkret:

  • 250 Euro bei Flugstrecken unter 1.500 Kilometern;
  • 400 Euro bei Flugstrecken bis 3.500 Kilometern;
  • 600 Euro bei Flugstrecken über 3.500 Kilometern.

Bei Annullierungen gelten zum Teil nochmal differenziertere Regelungen. Auch müssen gewisse Mindestfristen bei Flugstreichungen unterschritten worden sein.

Längere Verspätungen

Bei längeren Verspätungen muss die Airline für kostenlose Verpflegung (Essen und Getränke), Kommunikation (mindestens zwei Telefonate oder E-Mails) und falls erforderlich auch eine kostenlose Hotelunterkunft sorgen. Die Ansprüche sind hier nach der Dauer der Verspätung und der Flugstrecke gestaffelt. Bei Verspätungen von mehr als fünf Stunden besteht ein Recht zum Rücktritt vom Flug mit Erstattung des Ticketpreises und evtl. kostenlosem Rückflug zum Ausgangsort. Pauschale Ausgleichsleistungen wie bei Nichtbeförderung oder Flug-Annullierung sind in der Verordnung nicht explizit vorgesehen. Der EuGH hat aber 2009 in einem wegweisenden Urteil entsprechende Ansprüche bei Verspätungen von mehr als drei Stunden bestätigt. Dafür gilt die zuvor genannte Staffel.

Durchsetzung von Ansprüchen

Entschädigungsansprüche sind immer an die jeweils ausführende Fluggesellschaft zu richten. Nicht jede Airline zeigt sich dabei entgegenkommend, so dass häufig erst die Drohung mit einer Klage oder die tatsächliche Beschreitung des Rechtswegs zum Erfolg führt. Es gibt im Internet inzwischen spezialisierte Dienstleister, die die Entschädigung bei Flugverspätung ohne Risiko für den Geschädigten durchsetzen. Gegen Zahlung einer „Erfolgsprovision“ beauftragen solche Portale auf Fluggastrechte spezialisierte Rechtsanwälte mit der Durchsetzung der Ansprüche. Die Provision wird nur bei Zahlung der Entschädigung fällig.

Rechte nach dem Montrealer Übereinkommen

Die EU-Fluggastrechte-Verordnung gilt nicht für Airlines und Flüge ohne „EU-Berührungspunkt“. Hier regelt seit 1999 das Montrealer Übereinkommen Entschädigungsansprüche, das in Deutschland seit 2004 in Kraft ist. Die Übereinkunft sieht Schadensersatzansprüche bei Personenschäden, Verspätungsschäden und Sachschäden im Zusammenhang mit Flügen vor. Geregelt wird u.a. auch der Schadensersatz bei Gepäckverlust, – beschädigung und -zerstörung. Die Entschädigungen nach dem Montrealer Übereinkommen orientieren sich an dem tatsächlich eingetretenen Schaden. Sie kennen keine pauschalen Ausgleichsleistungen wie die EU-Verordnung.

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